Es ist ein stiller Sonntagnachmittag hier in der Ostengasse. Draußen im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen ganz gleichmäßig, fast so, als wollte er den Takt für mein Leinen-Heft vorgeben. Der Fencheltee in meiner Tasse dampft noch so stark, dass ich ihn erst einmal beiseite stelle. Durch das offene Fenster zieht der vertraute Geruch von frischem Brot vom Bäcker Prantl herein, ein Duft, der für mich untrennbar mit diesem neuen, langsameren Leben verbunden ist. Während ich die Quersumme 23 in mein Heft schreibe, spüre ich eine Ruhe, die ich über zwei Jahrzehnte lang nicht kannte.
Der weite Weg vom Klassenzimmer zum Küchentisch
Wenn ich heute auf das Jahr 2024 zurückblicke, fühlt es sich an wie eine Erzählung aus einem anderen Leben. Damals war ich noch Frau Haselbeck, die Klassenlehrerin der 3b, die morgens vor sechs Uhr mit Herzrasen aufwachte. Dreiundzwanzig Jahre lang war ich an der Clermont-Ferrand-Schule im Westen Regensburgs. Dreiundzwanzig Jahre dieselbe grüne Wandtafel, derselbe abgegriffene Lappen und dieselbe Pausenküche, in der wir den Wasserkocher immer auf Sparstufe hielten. Es war ein schleichender Prozess, ein Burnout, das eigentlich schon zwei Schuljahre lang geschwelt hatte, bevor der Körper im Januar 2024 endgültig die Notbremse zog.
Damals saß der Kloß im Hals vor jedem Elternabend so fest, dass ich kaum atmen konnte. Ich erinnere mich an einen Donnerstag im Mai, als ich vor der Klasse stand und plötzlich nicht mehr wusste, wie ich den nächsten Satz formulieren sollte. Heute, in meiner Altersteilzeit, unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden, immer Dienstag- und Donnerstagvormittag. Das Herzrasen ist weg. Das Ausbleiben des Kloßes im Hals, wenn ich Dienstagabends an den Unterricht am Donnerstag denke – ein neues Gefühl von Weite im Brustkorb –, ist mein wichtigster Gradmesser für die Genesung geworden. Ich bin keine Ärztin und keine Therapeutin, nur eine Lehrerin, die gelernt hat, dass man manchmal kürzertreten muss, bevor man ganz stehen bleibt. Bei echtem Burnout ist der Gang zum Hausarzt oder zu einer Beratungsstelle der Gewerkschaft der erste und wichtigste Schritt, das habe ich selbst schmerzlich lernen müssen.
Wie ich meine persönliche Jahreszahl für 2026 berechne
Im Juni 2024 hat mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg Rosina Kaisers Buch über den Zahlen-Code geschenkt. Sie sagte, es sei etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges. Seitdem sitze ich fast jeden Sonntagnachmittag gegen drei hier an meinem Küchentisch. Ich bin weder Numerologin noch spirituelle Lehrerin, aber diese halbe Stunde mit dem Heft ist für mich zu einem Anker geworden, um die Woche zu sortieren. Heute berechne ich meine persönliche Jahreszahl für das Jahr 2026.
Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach, fast wie eine kleine Rechenübung für meine ehemaligen Drittklässler. Man nimmt den eigenen Geburtstag, den Geburtsmonat und das aktuelle Kalenderjahr. Bei mir sieht das so aus:
- Mein Geburtstag: 14.
- Mein Geburtsmonat: 8 (August).
- Das aktuelle Jahr: 2026.
Ich addiere die Einzelziffern: 1 + 4 + 0 + 8 + 2 + 0 + 2 + 6. Das ergibt die Summe 23. Um die einstellige persönliche Jahreszahl zu erhalten, bilde ich die Quersumme von 23, also 2 + 3. Mein Ergebnis ist die 5. Es ist ein schöner Moment, wenn die Zahlen auf dem Papier so klar werden, während draußen der Schatten des Doms langsam über die Dächer der Altstadt wandert.
Die Fünf: Ein Jahr der Veränderung und der Freiheit
In dem System, mit dem ich arbeite, steht die 5 oft für Dynamik, für Kommunikation und den Ausbruch aus alten, starren Strukturen. Wenn ich das lese, muss ich unwillkürlich lächeln. Ein krasser Gegensatz zu den dreiundzwanzig Jahren starrem Stundenplan, den ich hinter mir gelassen habe. Früher war mein Leben in 45-Minuten-Einheiten getaktet, unterbrochen nur von der Pausenglocke. Heute bedeutet Freiheit für mich, dass ich nach dem Unterricht am Donnerstag über die Steinerne Brücke nach Stadtamhof spazieren kann, ohne schon im Kopf die Korrekturen für das Wochenende zu stapeln.
Manchmal zeigt eine Zahl in einer Woche aber auch gar nichts. Letzten Sonntag zum Beispiel saß ich hier und die 5 fühlte sich einfach nur an wie eine Zahl auf einem Blatt Papier. Es passierte nichts Besonderes, kein Geistesblitz, keine große Veränderung. Das gehört dazu. Der Zahlen-Code ist für mich kein Heilsversprechen und keine Esoterik, die alle Probleme löst. Es ist eher wie ein leises Hintergrundgeräusch, das mich daran erinnert, achtsam mit meinen Worten und meiner Zeit umzugehen. Wer tiefer in diese Materie einsteigen möchte, findet in meinem Bericht über das Lebenszahl berechnen und Bedeutung verstehen noch mehr Details zu meinen ersten Schritten mit diesem System.
Warum die Neun oft wichtiger ist als die Eins
Oft hört man, dass man einen Neustart unbedingt in einem persönlichen Jahr der 1 erzwingen muss, weil die 1 für den Anfang steht. Aber meine Erfahrung als ehemalige Grundschullehrerin sagt mir etwas anderes. Statt den Neustart in einem persönlichen Jahr der 1 zu erzwingen, ist das Jahr der 9 oft die bessere Wahl, um alte Lehrer-Muster radikal loszulassen. Die 9 steht für den Abschluss, für das Aufräumen. Bevor ich in die Energie der 5 oder später der 1 eintauchen kann, musste ich erst einmal die 9 durchleben – das bewusste Abschiednehmen von der Rolle der Frau Haselbeck, die für alles eine Lösung haben musste.
In meiner Altersteilzeit lerne ich gerade, dass das Loslassen ein aktiver Prozess ist. Es ist wie das Ausmisten des Stoffbeutels mit Bastelfilz am Ende eines Schuljahres. Man behält nur das, was wirklich noch gut ist. Das Jahr der 9 hat mir geholfen, den Perfektionismus abzulegen, der mich ins Burnout getrieben hat. Ich musste erst lernen, dass die Welt nicht untergeht, wenn eine Kopie mal schief aus dem Gerät kommt oder ein Elternabend nicht bis ins letzte Detail durchgeplant ist.
Erinnerungen im Regal
Hinter mir im Regal steht ein altes Ringbuch mit Kinderzeichnungen der Klasse 3b von 2019. Manchmal nehme ich es in die Hand. Es erinnert mich an Kinder wie Jonas, der immer so vorsichtig mit seinen Buntstiften umging. Diese Erinnerungen sind jetzt friedlich. Sie sind nicht mehr gekoppelt an den Druck und die Erschöpfung. Dass ich diesen Frieden gefunden habe, verdanke ich auch meinen kleinen Sonntagsritualen. Ich habe in einem früheren Text darüber geschrieben, wie wichtig diese Sonntagsrituale gegen das Gedankenkarussell für mich geworden sind.
Die persönliche Jahreszahl zu berechnen, ist für mich ein Werkzeug, kein Dogma. Es hilft mir, mich im Kalenderjahr zu verorten, so wie ich früher den Jahresplaner mit den zweiundzwanzig Ferientagen benutzt habe – nur dass ich heute nicht mehr auf die Ferien hinfiebere, um zu überleben. Ich lebe jetzt auch zwischen den Dienstagen und Donnerstagen.
Wenn du selbst in einer ähnlichen Situation bist, vielleicht auch in Altersteilzeit oder nach einer langen Krankschreibung, dann schau dir deine Zahlen ruhig einmal an. Aber erwarte keine Wunder. Die Zahlen geben uns keine Erlaubnis zur Heilung, die müssen wir uns selbst geben. Aber sie können uns wie ein weicher Bleistiftstrich auf einem weißen Blatt Papier eine Richtung weisen, in die wir gehen könnten. Ich für meinen Teil werde jetzt meinen Fencheltee trinken, der nun endlich die richtige Temperatur hat, und dann noch ein wenig in den Hinterhof schauen, wo der Brunnen immer noch seine Kreise zieht.